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Katharina Weißgerber

Friedr. Ad. Bergmann

Sebastian Klaiber

Jean N. Collowald

 

BESONDERE BIOGRAFIEN  Sebastian Klaiber

 

Ebenfalls erwähnungswürdig ist der Ulan Sebastian Klaiber vom Ulanen-Regiment »Großherzog Friedrich von Baden« (Rheinisches) Nr. 7, der bereits am 28. Juli 1870 auf dem so genannten Heidenhübel während eines Patrouillenritts einer französischen Kugel zum Opfer fiel.

Sicherlich wäre sein Name wie die Namen von vielen seiner Kameraden im Dunkel der Geschichte verschwunden, stünde ihm nicht die recht zweifelhafte Ehre zu, bei den Allerersten gewesen zu sein, die im Deutsch-französischen Krieg ihr Leben für die deutsche Seite gelassen haben! Für manche galt er sogar als der erste deutsche Gefallene in diesem Krieg. Doch ist dem wirklich so?

Laut dem Aufdruck auf der nebenstehenden zeitnahen Ansichtskarte des Klaiber-Steins auf dem Heidenhübel, der Anmerkung von Konrad Kümmel in seinem im Jahr 1912 erschienenen Buch Der große Krieg 1870/71 dem Volke geschildert (S. 28) oder der Aussage von R. Rudolf Rehanek in Spichern – ein Führer über das Saarbrücker Schlachtfeld (1935, S. 6) soll der am 27. April 1849 in Gauselfingen geborene Klaiber der erste deutsche Tote in diesem Krieg gewesen sein. Ein Blick in die offiziellen Verlustlisten lässt hieran allerdings berechtigte Zweifel aufkommen, denn die deutsche Seite hatte bereits drei Tage zuvor, am 25. Juli 1870 einen Toten zu beklagen: den Leutnant William Herbert Winsloe vom 3. Badischen Leib-Dragoner-Regiment »Prinz Karl« Nr. 22! Herbert Winsloe wurde während eines Feuergefechts mit französischen Chasseurs während der berühmten »Zeppelin-Patrouille« unter Führung des Hauptmanns Ferdinand Graf von Zeppelin beim Schirlenhof im unterelsässischen Gundershoffen tödlich verwundet.

Das heißt, Klaiber war definitiv nicht der erste Tote auf deutscher Seite im Deutsch-französischen Krieg, wohl aber war er der erste deutsche Tote bei Saarbrücken und auch der erste deutsche tote Mannschaftsdienstgrad – darüber hinaus war er auch der erste preußische Kriegstote, denn Winsloe war Angehöriger der Großherzoglich Badischen Armee!

Der Frage nach dem ersten Kriegstoten geht im Übrigen auch Dr. Casimir Bumiller nach in seinem Aufsatz Sebastian Klaiber – der erste Gefallene des Krieges von 1870/71? (in: Hohenzollerische Heimat, Heft Nr. 1 - März 2010, S. 47-48). Bumiller stützt sich hierbei im Wesentlichen auf die Recherchen von Dr. Carl Strutinski, damals Mitarbeiter des Amts für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft (heute Amt für Stadtgrün und Friedhöfe) der Stadt Saarbrücken.

Gegen die Annahme, dass Winsloe der erste »deutsche« Kriegstote gewesen sein soll ließe sich u. U. noch einwenden, dass der am 9. Mai 1843 im schottischen Coulnakyle bei Inverness als Sohn britischer Eltern geborene und erst 1851 in Mannheim zugezogene Winsloe möglicherweise nicht als Badener und damit nicht als Deutscher angesehen werden kann, so dass Klaiber vielleicht doch als der erste »deutsche« Tote des Krieges anzusehen ist? Aber: Auch wenn eine Naturalisationsurkunde Winsloes nicht überliefert sein sollte, so wurde er doch spätestens mit Erteilung des Leutnantspatents Ende Januar 1864 im Großherzogtum Baden eingebürgert, da die allgemeine Regel galt, dass Staatsdiener (also auch Militärangehörige) Angehörige des Staates sein mussten, in deren Dienst sie standen! Insofern wird Herbert Winsloe auf dem links oben abgebildeten Gedenkstein in Schirlenhof zu Recht als der erste deutsche Tote des Krieges bezeichnet. Mit der Person Winsloes und der Frage nach dessen Staatsangehörigkeit befasst sich Dr. Reiner Haehling von Lanzenauer ausführlich in seinem Aufsatz Der Zeppelinreiter Herbert Winsloe (in: Badische Heimat 3/2011, S. 478-488)

Der zweite deutsche Kriegstote bei Saarbrücken (und dritte insgesamt) war übrigens ein Regimentskamerad Klaibers: der Ulan Nikolaus Müller, der am Morgen des 30. Juli 1870 am Guten Brunnen in St. Arnual bei einem Schusswechsel mit französischen Soldaten eine tödliche Wunde erhielt. Das gemeinsame Grab der beiden (rechts) befindet sich auf dem zwischenzeitlich in großen Teilen aufgelassenen Friedhof in Alt-Saarbrücken, ist aber heute nicht mehr namentlich gekennzeichnet.

   

 

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