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SPUREN – Forbach

 

Selbstverständlich finden sich auch im Kanton Forbach Gräber und Denkmäler mit Bezug zum 6. August 1870. Ihre Vorstellung erfolgtanalog zur Vorstellung der Gräber und Denkmäler im Kanton Stiring-Wendelsortiert nach der Hauptgemeinde Forbach und den zum Kanton gehörenden Gemeinden Schœneck, Petite-Rosselle und Rosbruck.

 

Schœneck     KARTE

In der Rue Pasteur in Schœneckgegenüber dem Anwesen Nr. 15steht heute noch ein Denkmal für zwei am 6. August 1870 bei einem Gefecht hier gefallene Husaren des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11 (78). Bei den Männern handelt es sich um Georg Christian Dithmers von der 2. Eskadron und um Michael Kürten von der 5. Eskadron. Die beiden jungen Husaren gehörten zu einer Patrouille unter Führung von Lieutenant Graf Stolberg, deren Auftrag es war, die Lage für einen möglichen Vorstoß nach Forbach zu erkunden. In Schœneck geriet die Patrouille jedoch in einen Hinterhalt, wobei die beiden jungen Rekruten im Verlauf eines Feuergefechts erschossen wurden. Der ebenfalls tödlich verwundete Leutnant wurde von den Überlebenden der Patrouille geborgen und mitgenommen, Dithmers und Kürten wurden zurückgelassen und später an Ort und Stelle beigesetzt.

Für den Patrouillenführer Graf Stolberg ist in den Verlustlisten kein Eintrag zu finden, aber für Dithmers und Kürten – sie werden in der Verlustliste Nr. 107 (S. 854) mit folgenden Angaben genannt:

»Georg Dittmers [sic] aus Lüneburg. T.  S. i. d. Kopf.«

»Michael Kürten aus Cöln. T.  S. i. d. Brust.«

Laut Walter Neutzling (in: Ge.O. Blätter, Heft 4, Juli/August 1995, S. 112-113) befanden sich die Gräber der beiden Männer zunächst an anderer Stelle. Da das Grundstück 1905 auf Antrag des Eigentümers aber zum Bau freigegebenen wurde, mussten die Gräber verlegt werden und wurden daher an die heutige Stelle umgesetzt. Kurze Zeit später wurde dann auch das heute noch erhaltene Denkmal neben den Gräbern errichtet. Der ursprünglich auf dem Obelisken thronende bronzene Adler wurde laut Neutzling 1918 gestohlen, wobei jedoch die Vermutung naheliegt, dass er wohl im Zuge der Metallsammlungen während des Ersten Weltkrieges entfernt wurde. Das Denkmal trägt folgende Beschriftung:

»In treuem Gedenken den am 6. August 1870 vor dem Feinde gefallenen Husaren

Georg Christian Dithmers der II. Escadron, Michael Kürten der V. Escadron

D. Westfälischen Husaren Regiments No. 11, errichtet von den activen, inactiven Reserve- und Landwehr-Offizieren des Regiments und dem Verbande ehemaliger 11. Husaren.«

Die beiden Gräber liegen rechts neben dem Denkmal und tragen jeweils ein Kreuz aus Sandstein, auf denen der Name des hier Bestatteten sowie dessen Eskadronzugehörigkeit genannt sind. Zwischen den Sandsteinkreuzen steht das auch von vielen anderen Gräbern bekannte gusseiserne Originalkreuz mit der Beschriftung: »6. Aug. 1870«.

Das Denkmal samt Anlage wurde im Frühjahr 2014 von einer Lebacher Arbeitsgruppe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. komplett restauriert.

 

Petite-Rosselle     KARTE

Streng genommen gehört Petite-Rosselle nicht in diese Auflistung, da sich hier heute kein Denkmal oder Grab mehr befindet. Aber noch bis 2006 befand sich bei der Kapelle im Ortsteil Urselsbach, hinter den Gärten der Rue A das Grab (79) des am 6. August 1870 an seinen Verwundungen hier verstorbenen Musketiers Kollmeier vom Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 55 (links). Im Zuge der Neugestaltung des Friedhofs Giffertwald auf den Spicherer Höhen wurde das Grab 2006 dort hin verlegt.

René Deutsch zufolge (in: Destins Lorrains, 1992, S. 89) soll Kollmeier in einem Schuppen des Hauses von Reinhard Huppert einer schweren Bauchwunde erlegen sein. Der Grabstein auf dem Friedhof Giffertwald trägt folgende Beschriftung:

»Hier ruht in Gott Musk. Kollmeier, 3. Comp. Inft. Regt. 55. Starb den Heldentod am 6. August 1870. Gewidmet v. Kriegerverein Kl. Rosseln Alt Glashütte.«

Kollmeier wird auch in der Verlustliste Nr. 14 (S. 90) mit folgenden, zum Todesort allerdings abweichenden Angaben geführt:

»Musk. Tonis Friedr. Conr. Kollmeier aus Greste, Kr. Oerlinghausen. T.  S. i. d. d. Unterleib. Im Laz. zu Völklingen gestorben.«

 

Forbach     KARTE

Auch auf bzw. vor dem Friedhof von Forbach in der Rue Bauer finden sich zwei Denkmäler und zwei Gräber mit Bezug zum 6. August 1870. Neben dem Eingang zum Friedhof, unmittelbar vor der Begrenzungsmauer steht das 1892 errichtete Denkmal (80) für die deutschen Gefallenen (rechts). Es trägt auf der Vorderseite im oberen Teil die Inschrift:

»SPICHERN, FORBACH, VI. AUGUST MDCCCLXX«

Im Sockel darunter ist eine gusseiserne Platte eingelassen, die folgende Beschriftung zeigt:

»DEM ANDENKEN DER IM FELDZUG 1870.=71. GEFALLENEN DEUTSCHEN KRIEGER GEWIDMET.«

Die eingravierte Inschrift auf der Rückseite gibt Auskunft über den Aufsteller und das Jahr der Errichtung:

»ERRICHTET DURCH DEN KRIEGERVEREIN FORBACH 1892.«

An fast zentraler Stelle auf dem Friedhof steht das bereits zwanzig (!) Jahre zuvor errichtete Denkmal (81) für die französischen Gefallenen des Deutsch-französischen Krieges (links). Hoff et. al. zufolge (in: Moselle 1870, S. 108) wurde das Denkmal am 25. August 1872 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht. Der Obelisk trägt auf der Frontseite (Südost-Seite) die Beschriftung:

»SPICHEREN, STYRING, FORBACH, 6 AOUT 1870«

Auf dem Sockel darunter heißt es:

»A LA MEMOIRE DES SOLDATS FRANÇAIS MORTS POUR LA FRANCE.«

Auf der Rückseite des Obelisken (Nordwest-Seite) werden die Namen der gefallenen Forbacher genannt, darunter auch Lieutenant A. Gangloff. Die Nordost-Seite des Obelisken zeigt die Beschriftung:

»AUX ENFANTS DE LA FRANCE MORTS SUR LE CHAMP D'HONNEUR DU 6 AOUT 1870 AU 10 MAI 1871.«

Auf der vierten Seite des Obelisken (Südwest-Seite) werden die Ortsnamen der Schlachten genannt:

»FORBACH, SARREGUEMINES, SARRALBE, PUTTELANGE, SAINT AVOLD, COLMAR, PETITE-ROSSELLE, VIEILLE VERRERIE, RECONNAISSANTS.«

Wie oben bereits erwähnt, befinden sich auf dem Friedhof in Forbach auch noch zwei Gräber mit Gefallenen vom 6. August 1870.

Da ist zunächst das Grab der Forbacher Familie Gangloff (82). Auf dem Deckel des von einem Metallzaun eingefassten Steinsarkophags wird an erster Stelle Lieutenant Gangloff vom 40e régiment de ligne gedacht:

»GANGLOFF Marie Joseph Adolphe, LIEUTENANT au 40e de Ligne, né le 23 Juin 1841, tué au Combat de SPICHEREN 6 Août 1870.«

Erst danach folgen die Namen weiterer, hier beigesetzter Angehöriger. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass ein Denkmal zum Andenken an Gangloff vor dem deutsch-französischen Soldatenfriedhof Giffertwald auf den Spicherer Höhen steht.

Nur wenige Meter weiter befindet sich das Grab von Charles Decary (83). Auch hier handelt es sich laut Hoffmann et al. (in: Moselle 1870, S. 109) um ein Familiengrab. Das Denkmal in Form einer gebrochenen Säule steht auf einem Sockel, der folgende Inschrift trägt:

»A LA MEMOIRE DE CHARLES DECARY, TUE A LA BATAILLE DE FORBACH LE 6 AOUT 1870.«

Interessanterweise trägt die Säulenbasis das Datum »10 JULLIET 1851« und eine seitlich am Sockel angebrachte Inschrift spricht davon, dass seine (vermutlich nicht Decarys!) Schwester und Großmutter mütterlicherseits am 15. Juli 1851 exhumiert und seinem Wunsch entsprechend links von ihm erneut beigesetzt wurden, was auf eine bereits frühere Verwendung des Grabmals schließen lässt.

Die Säule selbst trägt folgende, Decary von seiner Mutter gewidmete Inschrift:

»A 20 ANS MON PAUVRE FILS DIEU A VOULU QUE TU PERDISSES LA VIE POUR LA FRANCE DANS LA MEMORABLE CHARGE DE CAVALERIE QUE FIT LE 12ME REGIMENT DU DRAGONS FRANÇAIS CONTRE LES ALLEMANDS.«

 

Rosbruck     KARTE

An der RD29, hinter Morsbach in Richtung Cocheren, befindet sich etwa 100 Meter nach der Autobahnunterführung linker Hand ein Grabdenkmal (84) für hier am 7. August 1870 gefallene preußische Ulanen (rechts). Im Jahr 2017 wurde das Denkmal vom S.E.S.M.A. (Service d' Entretien des Sépultures Militaires Allemandes = Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.) unter tatkräftiger Mithilfe der Reservistenkameradschaft Püttlingen komplett restauriert, wobei auch wieder ein gusseisernes Originalkreuz am Kopfende des Sarkophags angebracht wurde.

Laut dem Artikel Die Schlacht bei Spichern vor 130 Jahren: Das Ulanengrabmal und seine Geschichte von René Nicolas und Werner Weiter (in: Zur Geschichte des Warndts, Heft 6/2000, Nr. 142) befand sich das Denkmal bis Anfang der 1950er Jahre an der RN3 zwischen Morsbach und Rosbruck, musste jedoch im Zuge eines Brückenneubaus um etwa 100 Meter an seinen jetzigen Standort verlegt werden.

Am Denkmal befanden sich bis vor Kurzem keinerlei Inschriften oder Tafeln, die Hintergrundinformationen zu den Geschehnissen oder den hier Beigesetzten liefern würden. Doch mittlerweile wurde am Denkmal eine Tafel angebracht, die folgende Beschriftung trägt:

»Uhlanengrab [sic]/La tombe des Uhlans, Premierleutnant von Steinhagen, Gefreiter Knutschke, Franz Bruckner, gefallen am 07. August 1870.«

Diese Angaben sollten jedoch mit einem Fragezeichen versehen werden! Zu dem, was hier wem im August 1870 geschehen ist, existiert allem Anschein nach nur eine schriftliche Quelle: ein dreiseitiger Artikel mit dem Titel Die Ulanenpatrouille von Morsbach. Abgedruckt war dieser Artikel auf den Seiten 22 bis 24 im Almanach Lorrain von 1940, einer Beilage des Républicain Lorrain mit hauptsächlich deutschsprachigen und ein paar französischsprachigen Beiträgen, die wohl der Unterhaltung der Leser dienen sollten. Und auf diesen Artikel beziehen sich alle in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichten Texte zum Denkmal bei Morsbach!

Dem Artikel zufolge soll eine sechs Mann starke Ulanenpatrouille der »5. Schwadron« vom »Hannoverschen Ulanen-Regiment 3« im Zuge der Verfolgung der sich zurückziehenden französischen Truppen am Morgen des 7. August 1870 bei Morsbach in einen Hinterhalt geraten sein. Bei dem sich hierbei entwickelnden Feuergefecht sollen dann fünf der sechs Männer ihr Leben verloren haben. Als Teilnehmer der Patrouille werden im Artikel genannt: Premierleutnant von Steinhagen (Patrouillenführer), Leutnant Pfitzner, Wachtmeister Dörring, Franz Bruckner (ohne Angabe eines Dienstgrads), Gefreiter Künnecke und Gefreiter Knutschke. Einziger Überlebender der Patrouille soll Wachtmeister Dörring gewesen sein (S. 24).

Trotz der detailreichen und sehr lebhaften Erzählung hat es der namentlich beim Artikel nicht genannte Verfasser aber mit den Fakten offenbar nicht sonderlich genau genommen, denn ein »Hannoversches Ulanen-Regiment 3« existierte nicht! Es gab lediglich ein 1. Hannoversches Ulanen-Regiment Nr. 13 und ein 2. Hannoversches Ulanen-Regiment Nr. 14, die aber beide nicht im Raum Spichern eingesetzt waren!

Ebensowenig finden sich die in der Erzählung genannten Namen der Gefallenen in den offiziellen Verlustlisten! Nun sind die Verlustlisten erfahrungsgemäß zwar nicht unbedingt vollständig, aber dass sich auch nicht einer der fünf genannten Namen nachweisen lässt, ist äußerst ungewöhnlich.

Lässt man die Herkunft des Regiments (Provinz Hannover) einmal außen vor und konzentriert sich auf die Regimentsnummer (3), dann käme das 1. Brandenburgische Ulanen-Regiment Nr. 3 in Frage. Und in der Tat ergibt sich aus dem Gefechtskalender dieses Regiments, dass es am 7. August bei Forbach im Einsatz war. Darüber hinaus wird in der Verlustliste Nr. 220 (S. 1757) unter der Überschrift »Gefecht bei Roßbrück, 7. Aug. 1870« sogar ein Mann der 2. Eskadron (und nicht etwa der 5., wie im Artikel angegeben) als schwer verwundet gemeldet:

»Ulan Carl Geschke aus Leuthen, Kr. Sorau, S. v.  S. i. d. Unterleib.«

Aber: Geschke (bei Bothe/von Ebart: Geschichte des Ulanen-Regiments Kaiser Alexander von Rußland (1. Brandenburgisches) Nr. 3, 1879, auf Seite 64 wird der Name jedoch Jeschke geschrieben) ist der einzige (!) in den offiziellen Verlustlisten überhaupt aufgeführte Verlust bei Roßbrück – und ausgerechnet sein Name wird in der Erzählung im Almanach Lorrain nicht genannt!

Es war zwar noch ein weiteres Ulanen-Regiment an diesem Tag im Raum Saarbrücken/Forbach eingesetzt – das Schleswig-Holsteinische Ulanen-Regiment Nr. 15 –, aber es findet sich weder in den veröffentlichten Regimentsgeschichten noch in den Verlustlisten ein Hinweis darauf, dass dieses Regiment in Kampfhandlungen bei Roßbrück involviert war, geschweige denn hier Verluste zu beklagen hatte!

Alle dem Autor dieser Seite bekannten Veröffentlichungen zum Denkmal bei Rosbruck verweisen direkt oder indirekt auf den oben genannten Artikel im Almanach Lorrain von 1940! Darüber hinaus gehende Angaben (so z. B., dass nur drei Mann der Patrouille gefallen und hier bestattet worden sein sollen) werden mit dem Hinweis auf mündliche Überlieferung als Quelle gemacht!

Das heißt: Anhand der bislang ausgewerteten Unterlagen lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, wie viele Männer von welcher Einheit tatsächlich an diesem Gefecht beteiligt waren und ums Leben kamen!

 

 

 

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