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150 Jahre danach

Kämpfe

Nach der Schlacht

 

VORPOSTENKÄMPFE UND KAMPF UM DIE SPICHERER HÖHEN     KARTE

 

Bereits kurz nach Kriegsbeginn am 19. Juli 1870 hatte Frankreich den Aufmarsch seiner Armée du Rhin soweit abgeschlossen. Anfang August 1870 standen das frz. I. Korps (Maréchal Patrice de Mc-Mahon) im nördlichen Elsass, das frz. II. Korps (Général Charles Auguste Frossard) in Spichern, das frz. III. Korps (Maréchal François Achille Bazaine) bei St-Avold, das frz. IV. Korps (Général Paul de Ladmirault ) bei Thionville und das frz. V. Korps (Général Pierre de Failly) bei Bitchedas als Reserve fungierende frz. Garde-Korps (Général Charles Denis Bourbaki) befand sich auf dem Weg von Nancy nach Saint-Avold und das frz. VI. Korps (Maréchal François Certain de Canrobert) bei Châlons. Allerdings existierten auf französischer Seite noch keine klaren Planungen für das weitere Vorgehen.

Anders auf deutscher bzw. preußischer Seite. Hier gab es einen von Generalstabschef Helmuth v. Moltke ausgearbeiteten Operationsplan, der den Aufmarsch von drei Armeen vorsah: die 1. Armee (General von Steinmetz) bei Trier, die 2. Armee (Prinz Friedrich Karl von Preußen) nordostwärts von Saarbrücken und die 3. Armee (Kronprinz Friedrich Wilhelm) vor Karlsruhe. Zusammengeführt sollten diese drei Armeen die französische Rheinarmee an der Saar zu einer Entscheidungsschlacht stellen. Was den aus nord- und süddeutschen Truppen neu zusammengestellten Divisionen jedoch noch fehlte, waren gemeinsame Kampferfahrungen und klare Befehlsstrukturen.

Der zunächst planmäßig verlaufende Aufmarsch der 2. Armee bei Saarbrücken wurde am 23. Juli weiter nach Osten in den Raum südlich von Mainz zurückverlegt, weil man unbedingt vermeiden wollte, dass es aufgrund des Aufmarsches starker französischer Truppenverbände im lothringischen Grenzgebiet jetzt schon zu einem französischen Angriff kommen würde, noch bevor der deutsche Aufmarsch beendet war.

Damit war das Gebiet an der Saar tatsächlich nur ziemlich schwach gesichert durch das Ulanen-Regiment Nr. 7 und das 2. Bataillon des Hohenzollernschen Füsilier-Regiments Nr. 40.

Der befürchtete französische Angriff blieb allerdings aus. Gleichwohl drangen französische Truppen unter Zurückdrängen der preußischen Verteidiger am 2. August bis nach Saarbrücken hinein, ohne jedoch den Übergang über die Saar oder die Sprengung der über den Fluss führenden Brücken zu wagen. Grund hierfür waren Schwierigkeiten bei der Versorgung der eigenen Truppen, die zögerliche politische Führung in Paris sowie die Unkenntnis der tatsächlichen Stärke der an der Saar eingesetzten preußischen Truppen.

Da es bis dahin noch zu keinen größeren Kampfhandlungen gekommen war, bestand auch weiterhin die Chance, die französischen Truppen wie geplant in einer Entscheidungsschlacht im Raum zwischen Saar und Mosel zu stellen.

So marschierte die 3. Armee weiterhin planmäßig von Karlsruhe nach Westen und konnte die Gefechte bei Weißenburg (4. August) und beim unterelsässischen Wœrth (6. August) gegen zahlenmäßig unterlegene französische Truppen für sich entscheiden.

Nur in der bei Trier stehenden 1. Armee, die dem Gebiet an der Saar am nächsten war, hielt man sich nicht an den Plan, erst das Eintreffen der beiden anderen Armeen abzuwarten, um dann gemeinsam anzugreifen. Ihr Oberbefehlshaber, General von Steinmetz, schickte am 6. August je eine Division nach Saarbrücken und Völklingen vor. Der Kommandeur der nach Saarbrücken ausgesandten 14. Division, General von Kameke, war der irrigen Ansicht, die französischen Truppen würden sich zurückziehen und befahl deshalb seiner Division bis auf die Spicherer Höhen vorzugehen und diese zu besetzen, um dadurch den Saarübergang der nachfolgenden deutschen Truppenteile zu sichern.

Dass sich dieser Angriff zu einer für beide Seiten sehr verlustreichen Schlacht entwickeln würde, die für die deutsche Seite um ein Haar in einem Fiasko geendet hätte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. So konnten sich die preußischen Truppen nur mit äußerster Anstrengung überhaupt am Fuß des Höhenzuges gegen die zum Teil eingegrabenen französischen Truppen auf den Höhen behaupten. Erst am Abend gelang es ihnen, unterstützt durch gegen Mittag alarmierte und am Nachmittag nachrückende Teile der 1. und 2. Armee bis auf den Roten Berg vorzudringen. Nur dem zögerlichen Verhalten der französischen militärischen Führung ist es zu verdanken, dass die Kämpfe für die Preußen nicht in einer Niederlage geendet hatten! Der kommandierende französische General Frossard hatte zwar noch drei weitere Divisionen angefordert, die aber zu spät und nur unzureichend über die Lage orientiert in Spichern eintrafen. Zudem sah sich Frossard durch die von Völklingen in Richtung Forbach vorrückende deutsche 13. Division (General von Gülmer) in der Flanke bedroht und ließ die Kämpfe in der Nacht abbrechen, um sich mit seinen Truppen nach Süden zurückzuziehen. An ein Nachsetzen war bei den völlig abgekämpften preußischen Verbänden nicht zu denken, so dass diese sich für die Nacht auf dem Roten Berg einrichteten und sich soweit es Ihnen möglich war, um ihre Verwundeten kümmerten.

Die »Schlacht bei Spichern« war natürlich nicht die von Generalstabsschef von Moltke geplante Entscheidungsschlacht, hatte aber ganz sicher alle Hoffnungen auf eine rasche Entscheidung des Krieges zugunsten der deutschen Seite zunichte gemacht!

   

 

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