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SPUREN – Stiring-Wendel

 

Sehr viele Gräber und Denkmäler finden sich naturgemäß im Bereich des Roten Bergs auf der französischen Seite, der am 6. August 1870 Dreh- und Angelpunkt der Kämpfe war.
Hier wie auch in Saarbrücken
gestaltet sich aber die Beschreibung der einzelnen Denkmäler und Gräber in Form eines Rundgangs aufgrund der insgesamt breiten geografischen Streuung und der punktuellen Häufung gerade im Bereich des ehemaligen Kampfgebiets etwas schwierig. Von daher erfolgt ihre Vorstellung ebenfalls sortiert nach den Gemeinden innerhalb des Kantons Stiring-Wendel, zu denen neben Stiring-Wendel als Hauptort u. a. auch die Gemeinden Spicheren und Kerbach zählen.

 

Spicheren     KARTE 1     KARTE 2     KARTE 3

Folgt man von der deutschen Seite auf Höhe des früheren Eingangs des Hauptfriedhofs aus der Beschilderung zu den Spicherer Höhen, beschreibt die Straße Am Zollstock nach etwa 1 Kilometer, unmittelbar auf der Grenze eine scharfe Rechtskurve. Fährt man hier, anstatt der Kurve zu folgen den schmalen, geradeaus führenden Weg weiter, erreicht man nach wenigen Metern rechter Hand einen unbefestigten Weg. Hier zeigt ein zweisprachiges Hinweisschild an, dass dieser Weg zum »Cimetière: Roter Berg / Friedhof: 1870-71« führt (56).

Auf dem Friedhof befinden sich drei Massengräber (rechts) mit jeweils 24 gefallenen Mannschaften des Füsilier-Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 74 (s. A. v. Lattorff: Denkmäler und Erinnerungszeichen auf den Schlachtfeldern bei Saarbrücken, 1877, S. 17). Die Gräber sind am Fußende gekennzeichnet durch jeweils ein gusseisernes Kreuz in Form eines Eisernen Kreuzes und tragen die Inschrift(en):

»Hier ruhen die bei der Erstürmung dieser Höhen in treuer Pflichterfüllung gefallenen Soldaten der 9. (bzw. 11. und 12.) Kompagnie 1. Hann. Inf.-Regts. Nr. 74.«

Am Kopfende der Gräber steht jeweils ein gusseisernes Kreuz mit der Beschriftung: »6. Aug. 1870«.

Nur wenige Meter hangaufwärts liegt ein kleines, eingezäuntes Massengrab (57) für die während des Angriffs gefallenen Offiziere des Bataillons (links). Die steinerne Grabplatte macht folgende Angaben zu den hier Bestatteten:

»Hier ruhen in Gott die Tapferen des 74-Regiments Hauptm. Oloff, Prem. Leut. Lehmann, Sec. Leut. Grunewald, Portep. Fähn. Clausen, Baring und von Gericke, gefallen auf dieser Stelle den 6-August 1870. Friede ihrer Asche!

Max Grunwald [sic], Ludwig Christian August Baring, Wilhelm Hermann August Oloff und Lebrecht Carl Lehmann werden in der Verlustliste Nr. 1 (S. 2) geführt, Clausen (ohne Angabe des Vornamens) in der Verlustliste Nr. 19 (S. 134)jedoch als Verlust in der Schlacht bei Gravelotte am 18. August 1870! Unter dem Namen von Gericke wird für das Infanterie-Regiment Nr. 74 lediglich in der Verlustliste Nr. 21 (S. 147) ein »Unteroff. Gustav Siegmund Franz Hubert Joh. Baptist v. Gericke aus Aachen« geführt – allerdings als Verlust der 12. Kompanie in der Schlacht bei Gravelotte am 18. August 1870!

Für diejenigen, die gut zu Fuß sind, kann für die weitere Erkundung der Denkmäler am und auf dem Roten Berg durchaus der hier bergauf führende Trampelpfad gewählt werden. Für die meisten empfiehlt es sich aber, wieder zurück zur nach Spichern führenden Hauptstraße zu fahren und die Erkundung auf dem Plateau fortzusetzen.

Oben auf dem Plateau angekommen, fällt linker Hand das große, schlicht gehaltene weiße Kreuz (rechts) auf, das an die französischen Gefallenen der »Schlacht bei Spichern« erinnern soll (58).

Das 15 Meter hohe Kreuz wurde am 30. September 1934 vom Souvenir français eingeweiht. Auf der Vorderseite trägt das Denkmal eine Platte mit der Beschriftung: »Aux soldats français morts le 6 août 1870«. Auf den anderen drei Seiten befinden sich weitere Platten, die die an den Kämpfen beteiligten französischen Verbände und ihre Einsatzbereiche nennen.

Die nächstgelegenen Denkmäler befinden sich auf dem nach Nordosten weisenden Rücken des Roten Bergs. Um dorthin zu gelangen, führt der Weg zunächst vorbei am Restaurant Woll, das bereits seit 1897 hier besteht! Ursprünglich diente das Restaurant den zahlreichen Besuchern des ehemaligen Schlachtfelds zum Einkehren nach ihren beschwerlichen Fußmärschen auf den Höhenzug und ihren Erkundungszügen. Aber auch heute noch gehört »der Woll« zu den beliebtesten Ausflugs- und Ausgehzielen der Umgebung und ist bei Saarländern und Lothringern gleichermaßen beliebt.

Die beiden ersten Denkmäler befinden sich unmittelbar hinter dem Außengelände des Restaurants. Links vom Weg steht das Denkmal des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 (59), dessen Grundsteinlegung bereits am ersten Jahrestag der Schlacht, am 6. August 1871 erfolgte. Die Frontseite trägt folgende Beschriftung:

»Zum ehrenden Andenken an die in dem Feldzuge gegen Frankreich 1870/71 gefallenen und an ihren Wunden gestorbenen Officiere und Mannschaften des Niederrheinischen Füsilier-Regiments No. 39. Errichtet von dem Officier Corps dieses Regiments«.

Auf den übrigen drei Seiten werden die Verluste der drei Bataillone und die mitgemachten Gefechte benannt.

Auf der gegenüberliegenden, rechten Seite des Weges steht das am 6. August 1872 eingeweihte Denkmal des Hohenzollernschen Füsilier-Regiments Nr. 40 (60), das über eine Treppe zu erreichen ist (rechts). Es trägt auf seiner Vorderseite die Inschrift:

»Dem Gedächtniss [sic] der im Feldzuge 1870-71 gefallenen Offiziere und Mannschaften des hohenzollernschen Füsilier=Regiments No. 40 widmet dieses Denkmal auf dem Schlachtfelde von Spichern das Offizier=Corps.«

Auf zwei der übrigen drei Seiten werden auch hier die Namen der Gefallenen sowie die mitgemachten Gefechte aufgeführt, die Rückseite zeigt den mit Lorbeerzweigen geschmückten Schriftzug: »Treu bis in den Tod«.

Vor der Mauer zeigt im Übrigen ein neuerer Gedenkstein an, dass dieser Teil der Rue des Hauteurs bezeichnet wird als »Chemin du Général Bruno von Francois [sic], tombé à Spicheren le 6/8/1870.«. Der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. finanzierte Gedenkstein wurde erst 1993 hier gesetzt.

Nach etwa 70 Metern steht kurz vor der Lichtung am linken Wegrand ein weiterer neuer Gedenkstein (links), der die Stelle ausweist als: »Place du Capitaine Charles-Auguste de Beurmann, tombé à Spicheren le 6/8/1870« (61).

Beurmann war Angehöriger des 63e régiment d'infanterie und wurde auf dem Friedhof an der Kirche in Spichern bestattet, wo sich sein Grabdenkmal noch heute befindet. Der Gedenkstein wurde von Nachfahren Beurmanns gestiftet und ebenfalls 1993 hier errichtet.

Die hier vor dem Betrachter liegende Lichtung gehörte zu dem am schwersten umkämpften Gelände am 6. August 1870: französische Truppen hatten sich hier in quer über die Freifläche laufenden Gräben verschanzt und empfingen die vom gegenüber liegenden Ende der Lichtung den Berg herauf kommenden deutschen Truppen mit entschlossenem Abwehrfeuerdamals waren der Bergrücken und seine Flanken weitestgehend ohne Bewuchs, so dass das Gelände kaum Sichtschutz bot.

Das nächste Denkmal befindet sich vom Beginn der heutigen Lichtung an etwa 350 Meter entfernt links am Waldrand (62): das am 6. August 1871 eingeweihte Denkmal des 1. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 74 (rechts). Die Vorderseite listet die gefallenen Offiziere des Regiments auf und trägt die Widmung:

»Seinen auf den Schlachtfeldern 1870/71 ehrenvoll gefallenen Kameraden das Offiziercorps des 1. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 74«.

Auf der Rückseite werden die gefallenen Unteroffiziere und Mannschaften des III. Bataillons genannt, auf der rechten und linken Seite diejenigen des I. und II. Bataillons.

Nur wenige Meter vor dem Denkmal findet sich ein mit einem niedrigen Metallzaun eingefriedeter Gedenkstein (links), der die Stelle markiert, an der General Bruno von François um 16 Uhr tödlich verwundet worden sein soll (63). Der General befand sich an der Spitze der von ihm geführten 9. Kompanie des Füsilier-Regiments Nr. 39 und wurde wohl von fünf Geschossen getroffen. Max Dittrich zufolge (Deutsche Heldengräber im Reichslande, 1895, S. 43) wurde er schwer verwundet und sterbend ins Schulhaus am Ludwigsplatz gebracht, wo sich die Familie des Lehrers Schiffbauer erfolglos um sein Überleben bemühte. Beigesetzt wurde er schließlich im Ehrental, wo sich sein Grab auch heute noch befindet. Die auf zeitgenössischen bzw. zeitnahen Ansichtskarten noch zu sehende Kette um den Gedenkstein wurde vor dem Ersten Weltkrieg durch einen Metallzaun ersetzt. Auf dem Gedenkstein heißt es:

»Hier fiel am 6. August 1870 A. 4. General Bruno von François«.

In der Verlustliste Nr. 12 (S. 72) wird sein Verlust unter »14. Infanterie-Division« mit folgenden Angaben geführt:

»Gen. Major v. François. T. 5 Schüsse. 2 i. d. r. Oberschenkel, 1 i. d. Brust, 1 i. d. Unterleib, 1 i. d. r. Hand.«

An der gegenüber liegenden Waldecke, keine 80 Meter entfernt, befindet sich das letzte Denkmal (rechts) am vorderen Rand des Plateaus: das erst 1896 errichtete Denkmal des 5. Brandenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 48 (64).

Auf seiner Vorderseite trägt das Denkmal eine Bronzeplatte, die überschrieben ist mit:

»Vom Infanterie Regiment von Stülpnagel, 5. Brandenburgischen No. 48 starben den Heldentod 1870-71.«

Darunter werden die gefallenen Offiziere des Regiments aufgelistet. An den übrigen drei Seiten finden sich weitere Bronzeplatten, auf denen die Verluste an Mannschaften und Unteroffizieren nach mitgemachten Gefechten sortiert namentlich genannt werden.

Von hier aus führt der Weg an diesem Waldrand entlang wieder zurück in Richtung Restaurant Woll. Nach etwa 300 Metern zweigt ein Weg nach links ab, dem man weitere 200 Meter folgen muss, um das Denkmal des 2. Brandenburgischen Grenadier-Regiments Nr. 12 (65) zu erreichen (links). Die Widmung auf der Platte lautet:

»Grenadier Regiment Prinz Carl von Preussen (2. Brandenburgisches) No. 12. Den mit Gott für König und Vaterland im Kriege 1870-71 Gefallenen, ihren Wunden u. den Anstrengungen des Feldzuges erlegenen Offizieren, Unteroffizieren u. Mannschaften gewidmet von den Offizieren, Kameraden und Freunden des Regiments.«

Die nächsten heute noch vorhandenen Denkmäler und Gräber befinden sich weiter südwestlich in Richtung Spicheren. Wieder zurück am Restaurant Woll vorbei befindet sich an der Einmündung auf die breite Hauptstraße von Spicheren nach Saarbrücken eine kleine Grünfläche. Auf dieser Grünfläche steht eine Stele mit Plakette, die diesen Abschnitt der Rue des Hauteurs als Chemin du Général de Laveaucoupet ausweist (65a). Errichtet wurde die von der Familie Laveaucoupet finanzierte Stele 1990.

Nach wenigen Metern zweigt links ein Weg in den Giffertwald ab. Am Waldrand steht linker Hand ein amerikanischer Panzer vom Typ M24 »Chaffee« aus dem Zweiten Weltkrieg. Hierbei handelt es sich um ein Geschenk des Veteranenverbands der amerikanischen 70. Infanterie-Division (70th Infantry Division Association) anlässlich des 50. Jahrestags der Befreiung von Spicheren durch die Division am 17. Februar 1945. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wegs steht an der Ecke des Sportplatzes eine Westwall-Anlage zur Aufnahme einer Panzerabwehrkanone (Pak-Kasematte). Der Regelbau 505 mit der WH-Nummer 26 und dem zeitgenössischen taktischen Namen »Wotan« gehörte zur so genannten Spichern-Stellung und wurde zwischen Februar und Juni 1940 errichtet.

Folgt man dem Weg, weist ein unscheinbares Schild auf der rechten Seite diesen Weg als Chemin Général Doëns aus (65b).

Nach etwa 80 Metern findet sich links des Wegs ein Denkmal für den hier beigesetzten Hauptmann Mudrack und zwei seiner Männer (rechts), die am 6. August 1870 hier den Tod gefunden hatten (66). Auf dem Kreuz heißt es:

»Hier ruhen Sergeant A. J. H. Junker, Hauptmann Franz Mudrack, Füsilier H. vom Ende von der 7. Comp. des Niederrheinischen Füsilier-Regiments No. 39.«

Die Sockelinschrift ergänzt: »Sie starben den Heldentod für König und Vaterland am 6. August 1870 an dieser Stelle.«

Zu diesem Grabdenkmal weiß Albert Ruppersberg in seiner Saarbrücker Kriegschronik von 1895 (S. 239) zu berichten:

»Auf dem Schlachtfelde selbst wurden auch zwei Offiziere des 39. Regiments bestattet. Gegenüber dem Zollhaus (Neue Bremm) auf der Folster Höhe liegt Premierlieutenant v. Windisch mit 12 Kriegern; im kühlen Waldesschatten auf der Höhe ruht Hauptmann Mudrack. Er liegt mit einem Sergeanten und einem Füsilier seiner Kompagnie zusammengebettet an derselben Stelle, wo er gefallen und wo seine Leiche später abscheulich beraubt aufgefunden wurde.«

Zu allen drei Männern finden sich auch Einträge in der Verlustliste Nr. 17 (S. 116):

»Hptm. Franz Mudrack aus Prenzlau. T. S. d. d. Brust.«
»Serg. Albert Joh. Heinrich Junker aus Anklam, Kr. Stettin. T. S. d. d. Kopf

»Füs. Heinr. vom Ende aus Mühlheim a. d. Ruhr, Kr. Duisburg. T. S. i. d. Brust

Darüber hinaus wird Mudrack übrigens auch bereits in der Verlustliste Nr. 1 (S. 2) wie folgt geführt:

»Hauptm. Franz Mudrack.T. Schuß im Oberschenkel und Brust.«

Für die weiteren Denkmäler führt der Weg zurück auf die Hauptstraße nach Spicheren (Rue des Hauteurs). Dieser folgt man knapp 250 Meter, um zum deutsch-französischen Soldatenfriedhof Giffertwald (rechts) zu gelangen. Nach etwa 150 Metern passiert man übrigens einen deutschen Soldatenfriedhof aus dem Zweiten Weltkrieg: der vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. betreute Friedhof Spicherer Höhen. Die ursprüngliche Grabstätte wurde deutscherseits für Gefallene im Frontbereich schon in der Anfangsphase des Krieges angelegt. Nach Kriegsende wurde sie von der Gemeinde Spicheren erweitert durch Zubettungen aus aufgelösten Feldgrablagen. Die Besonderheit dieses Friedhofs liegt darin, dass es sich hierbei um den ersten deutschen Friedhof des Zweiten Weltkriegs in Frankreich handelt, der im Zuge einer Vereinbarung zwischen einer französischen Gemeinde (Spicheren) und einer deutschen Gemeinde (Stadt Saarbrücken) von der deutschen Gemeinde gestaltet und endgültig angelegt wurde.

Der deutsch-französische Soldatenfriedhof Giffertwald (67) wurde erst 1965 angelegt (links). Die Anlage war notwendig geworden, da der alte, bereits 1926 angelegte Friedhof an der Goldenen Bremm im Zuge des Baus der Autobahn Metz-Saarbrücken verlegt werden musste. In seiner heutigen Form wurde der Friedhof nach einer Komplettsanierung durch die SESMA (Service pour l’entretien des sépultures militaires allemandes, d. i. der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.) am 9. August 1998 eingeweiht.

Vor dem Friedhof an der Ecke Rue des Hauteurs/Rue des Montagnes befindet sich ein mit einem Metallgitter eingezäuntes Einzeldenkmal (rechts), das dem in Forbach geborenen Lieutenant Gangloff gewidmet ist (68). Errichtet wurde das Denkmal im Jahr 1900 durch seine Familie. Gangloff fiel am 6. August 1870 als Angehöriger des 40e régiment d'infanterie bei Spichern – sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Forbach. Die am Denkmal angebrachte Tafel trägt folgende Beschriftung:

»A la Mémoire de Marie-Joseph-Adolphe GANGLOFF, Lieutenant du 40e. Rgt. de Ligne, né à Forbach le 23 juin 1841, tombé à Spicheren le 6 août 1870 pour la France sa patrie.«

Folgt man der vom Friedhof am Rand des Giffertwalds entlang führenden Rue des Montagnes, stößt man etwa 300 Meter hinter den letzten Häusern am linken Wegrand, etwas zurück gesetzt, auf ein weiteres Denkmal (links). Es ist dem hier gefallenen Ernst August Paul Liehr gewidmet (69). Allerdings wird auf dem Schild, das den Weg zum Denkmal weist und selbst in einer neueren Veröffentlichung (Hoff et al.: Moselle 1870, 2015, S. 93) der Name des Mannes fälschlicherweise mit »Viehn« angegeben! Der mit der Herstellung des Denkmals beauftragte Steinmetz hat es mit den Verzierungen der Buchstaben des Nachnamens sicher etwas zu gut gemeint, so dass der Anfangsbuchstabe als »V« erscheinen mag und der letzte Buchstabe als »n«. Wann der Name zum ersten Mal falsch wiedergegeben wurde, ist unklar. Ein Blick in historische Unterlagen zeigt aber, dass das Denkmal in der Übersichtskarte vom Schlachtfeld bei Spichern im Schlachtfeldführer von A. von Lattorff (Denkmäler und Erinnerungszeichen auf den Schlachtfeldern bei Saarbrücken, 1877) unter der Nummer XVI mit dem korrekt geschriebenen Nachnamen verzeichnet ist – und auch auf der Seite 28 des Schlachtfeldführers wird das Grab unter der laufenden Nummer 67 wie folgt besprochen:

»Einzelgrab, von eisernem Gitter umgeben. Auf einem Kreuz aus weißem Marmor: ›Hier starb den Heldentod am 6. August 1870 der Gefreite vom 2. Brandenburgischen Grenadier-Regiment Nr. 12 [sic] Ernst August Paul Liehr, geboren zu Guben den 22. März 1849.‹«

Die Beschriftung des Denkmals lautet (leicht abweichend von der Abschrift bei von Lattorff):

»Hier starb den Heldentod am 6. August 1870 der Gefreite im 2ten Brandenbrg. Grenadir [sic] Regiment No. 12 Ernst August Paul Liehr, geboren zu Guben den 22. März 1849.«

Sein Verlust wurde in der Verlustliste Nr. 22 (S. 185) eingetragen, wobei auch hier der Nachname richtig wiedergegeben wurde: »Gefr. Paul Liehr aus Guben, T

Etwa 200 Meter weiter befindet sich rechter Hand vor einer Wegbiegung das Grab (70) des französischen Lieutenants Duchesne (rechts).

»Ici repose Charles-Marie DUCHESNE Lieutenant du 2e. Rgt. de ligne, né à Versailles le 10 mai 1849, mort à Spicheren le 6 août 1870 pour la France sa patrie. De profundis! Quomodo ceciderunt.«

Nach weiteren rund 700 Metern steht an einem Abzweig ins Tal wieder ein Grabdenkmal (71) für sechs deutsche Gefallene (links). Das Kreuz erinnert an Unteroffizier Arnold Wiegmann vom Füsilier-Regiment Nr. 39 und trägt folgende Inschrift:

»TREU bis in den TOD. ARNOLD WIEGMANN, Freiw. Unteroff. 39 Reg. 3 C., gefallen den 6. AUG. 1870«.

Der Sockel verzeichnet die Namen von fünf weiteren Gefallenen, die zusammen mit A. Wiegmann beigesetzt wurden, allerdings Angehörige des Füsilier-Regiment Nr. 40 bzw. des Infanterie-Regiment Nr. 48 waren:

»Füsl. BODENHEIM 39 R., Füsl. STEIN 39 R., Füsl. BOBE 39 R., Füsl. HECHELMANN 48 R., Füsl. KÜHL 48.«

Vier der Männer werden in der Verlustliste Nr. 17 (S. 111-112) geführt, einer (Füsilier Kühl) in der Verlustliste Nr. 9 (S. 54) für Füsilier Hechelmann konnte kein Eintrag gefunden werden:

»Unteroff. Arnold Walther Rudolph Wigmann [sic] aus Düsseldorf. T.«
»Füs.
Jobst Heinr. Aug. Bobe aus Wehrendorf, Kr. Herfordt. T.«
»Füs.
Ferdinand Steins [sic] aus Bensen, Kr. Paderborn. T.«
»Füs.
Heinrich Bodenheim aus Düsseldorf. T.«
»Musk. Carl Ludwig Kühl aus Franzthal, Kr. Friedeberg. T. S. i. Kopf.
«

Weitere Denkmäler bzw. Gräber finden sich bei der Kirche St-Laurent in Spicheren selbst (72). Während der Kampfhandlungen wurden Verwundete in diese Kirche verbracht und hier notdürftig versorgt. Der damalige Pfarrer von Spichern, Abbé Collowald, hat von etwa einhundert Soldaten gesprochen, die in der Kirche betreut wurden und schließlich an ihren Verwundungen starben ihre sterblichen Überreste sollen auf dem Gemeindefriedhof beigesetzt worden sein, wobei die Identität dieser Soldaten leider nicht überliefert ist. In der Zeitschrift Die Gartenlaube wurde 1870 (S. 640) die nebenstehende Grafik veröffentlicht, die unterschrieben ist mit: »In der Kirche von Speichern. Nach der Natur aufgenommen von Chr. Sell.« (Quelle: Wikmedia Commons EXTERNER LINK)

An der Ostmauer des Kirchenschiffs steht ein Denkmal für die französischen Gefallenen vom 6. August 1870 (links), das folgende Inschrift trägt:

»A la mémoire des braves Soldats Français tombés à Spicheren, le 6 Août 1870 pour la défense de la France leur Patrie.«

Links vom Denkmal stehen drei, rechts davon zwei der bereits bekannten, weiß gestrichenen, gusseisernen Kreuze, die auf deutschen Gräbern zu finden sind und lediglich die Beschriftung »6. Aug. 1870« tragen.

An der Nordostecke des ehemaligen, um die Kirche angelegten Friedhofs befindet sich noch heute das Grab des am 23. Januar 1929 geborenen Charles Beurmann (73), Capitaine im 63e régiment d'infanterie (rechts). Das Denkmal konnte 1988 durch die Unterstützung einer Enkelin von De Beurmann restauriert werden. Gekennzeichnet ist das Grab durch eine auf einem Sockel stehende, gebrochene Säule, die folgende Beschriftung trägt:

»A LA MEMOIRE de Charles Auguste DE BEURMANN, Captne. au 63e de ligne, mort à 40 ans le 6 Août 1870 pour la France sa patrie.«

 

 

 

Kerbach     KARTE

Ein Denkmal für zwanzig französische Gefallene befindet sich auf der Innenseite der südlichen Mauer (74), welche die Kirche St-Rémis und den Friedhof in Kerbach umgibt. Nach Hoff et al. (Moselle 1870, 2015, S. 104), die sich auf Angaben im Pays Lorrain vom 24. September 1913 beziehen, befanden sich nach den Kämpfen vom 6. August 1870 etwa 500 mehr oder weniger schwer verwundete französische Soldaten in Etzling, das damals zu Kerbach gehörte. Die meisten dieser Soldaten gingen in preußische Gefangenschaft, während mindestens zwanzig Mann in Etzling verstarben sie wurden auf dem hiesigen Gemeindefriedhof beigesetzt. Das im genannten Buch von Hoff et al. abgedruckte Foto zeigt ein offensichtlich aus Sandstein gearbeitetes Denkmal, während das vom Souvenir Français hier schon spätestens im Mai 2016 errichtete Denkmal komplett aus Marmor besteht! Die aufgesetzte schwarze Marmortafel trägt die Inschrift:

»ICI REPOSENT 20 SOLDAT FRANÇAIS TOMBÉS SUR LE CHAMP DE BATAILLE EN 1870«.

 

Stiring-Wendel     KARTE

Auch in Stiring-Wendel selbst finden sich noch drei Denkmäler bzw. Gräber mit Bezug zu den Ereignissen am 6. August 1870. Zwei davon auf dem Friedhof und eins am Pfarrhaus, unweit des Friedhofs.

Das mit einem kleinen Zaun eingefasste Gedenkkreuz am Pfarrhaus (7 Place Sainte-Marthe, rechts) erinnert an das 32e régiment d'infanterie, das an den Kämpfen bei Stieringen im August 1870 beteiligt war (75). Die ursprünglich vorhandene Widmung ist heute allerdings nicht mehr vorhanden.

Auf dem gut 250 Meter weiter westlich gelegenen Friedhof findet sich ein Gedenkkreuz für 59 französische Gefallene (76), das bereits 1871 hier auf Veranlassung der Gemeinde errichtet wurde (links). Bei den Gefallenen handelt sich um Männer aus verschiedenen Regimentern, die man nach den Kämpfen kurzerhand auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt hatte. Aus einer am Fuß des Denkmals angebrachten zusätzlichen Marmorplatte geht hervor, dass das Denkmal im Oktober 2001 auf Initiative des ACVG Stiring-Wendel (= Anciens Combattants-Victimes de Guerre) und des Souvenir Français renoviert wurde. Die im Zuge dieser Arbeiten angebrachte Marmorplatte trägt die Inschrift:

»6 AOUT 1870, A LA MEMOIRE DE 59 MILITAIRES FRANÇAIS, 3E CHASSEURS A PIED, 23E 32E 67E 76E 77E DE LIGNE, PRIEZ POUR EUX«

Nur wenige Meter vom Denkmal entfernt befindet sich das Grab (77) von Lieutenant Auguste Gauvin (rechts), der während der schweren Kämpfe bei Stieringen tödlich verwundet wurde. Hoff et al. (Moselle 1870, 2015, S. 99) zufolge wurde das Denkmal vermutlich auf Initiative von Gauvains Familie hin auf das Grab gesetzt. Nach der gleichen Quelle wurde das Denkmal laut einem Bericht im Le Patriote lorrain vom 10. August 1913 bereits restauriert. Eine seitlich am Denkmal angebrachte Tafel weist darauf hin, dass das Denkmal im Juni 2004 von der ACVG Stiring-Wendel und vom Souvenir Français Forbach renoviert wurde. Auf der Marmorplatte heißt es:

»Ici repose AUGUSTE GAUVIN, né à Dôle (Jura) le 8 mars 1841, Lieutenant au 3ème Bon de chasseurs blessé mortellement le 6 août 1870. Il laisse une mère inconsolable. Priez pour lui.«

 

 

 

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